Bevor ich nun gleich auf die Begegnung mit dem Mentor und der Phase 4 in der Heldenreise zu sprechen komme, möchte ich auf eine Frage aus der Community eingehen.
Mit der Heldenreise wirklich flexibel in der eigenen Geschichte?
Viele der angehenden Autoren ihrer eigenen Lebensgeschichte befürchten, ihrem autobiografischen Roman irgendein Schema aufsetzen zu müssen. Dass die Botschaft und die Erfahrungen, die sie wirklich an ihre Leser weitergeben wollen, nicht so ankommen wie sie es sich wünschen. Und dass der Leser im Nachgang vielleicht denkt: ‚Ach schon wieder so ein 08/15-Roman‘ oder so ähnlich.
In meiner autobiografischen Begleitung sehe ich eine Menge Fragezeichen, wenn ich die verschiedenen Schreibmethoden für das bevorstehende Romankonzept vorstelle. Aber in Wirklichkeit können sie eine großartige Unterstützung sein. Wenn ich dann beginne, ihnen mehr darüber zu erzählen und sich die ersten möglichen Verbindungen zu ihrer eigenen Lebensgeschichte zeigen, ist der Bann in der Regel gebrochen.
Und da es in meiner persönlichen Begleitung ein Müssen oder Sollen einfach nicht gibt, alles ist erlaubt und es wird viel ausprobiert. Und dann verschwinden auch die Fragezeichen zu diesem Thema bald wieder. Denn weder ich noch eine Schreibmethode entscheidet, was du schreibst, wie du es schreibst und worüber du schreibst.
Du bist die Autorin und kannst mit deinen Inhalten machen, was du möchtest. Nur so ganz ohne Struktur würde ich dich nicht in den Schreibprozess begleiten. Das ist nämlich doppelte, wenn nicht sogar dreifache Arbeit. Für uns beide. Ob mit oder ohne Schreibmethode. Es gibt viele Möglichkeiten deine autobiografische Geschichte zu schreiben.
Die Begegnung mit dem Mentor in deiner autobiografischen Geschichte
Herzlich willkommen im 2.Akt. Deine Hauptfigur erkennt, dass es jetzt wohl keine Möglichkeit mehr gibt, sich weiter dem Ruf des Abenteuers zu verweigern. Und dazu erscheint auch noch der Mentor als dramaturgischer Archetyp auf der Bildfläche. Im Gepäck hat er genau die Portion Mut, die deine Hauptfigur jetzt noch braucht, um den Ruf klar und deutlich zu hören, ihn zu verstehen und ihm schlussendlich zu folgen.
Ich verwende auch hier das Szenario, welches ich schon in der Serie über die Archetypen verwendet habe, als es auch dort um den Mentor ging. Wenn deine Hauptfigur in dieser 4. Phase, in einer Situation steckt, bei der sie sich endgültig entscheiden muss: Abenteuer oder weiter trister Alltag wie bisher, ist es Zeit, den Mentor ins Spiel zu bringen.
Mit dem Mentor kommt oft auch ein magischer Gegenstand zum Vorschein, den der Mentor an deine Hauptfigur weitergibt, der auch wieder verschwinden kann, sobald er nicht mehr gebraucht wird bzw. seine Aufgabe erfüllt hat. Das, was der Mentor zu geben hat, muss sich die Hauptfigur erst verdienen, z.B. etwas lernen, etwas opfern oder eine Verpflichtung eingehen.
Was wäre deine Geschichte ohne einen Mentor
Oder in deinem Leben?
Es gibt da den einen ganz bekannten Mentor, an dem komme ich gar nicht vorbei, um kurz auf ihn einzugehen. Die Rede ist von Gandalf aus “Der Herr der Ringe”. Und vielleicht erinnerst du dich?
Exakt in dem Moment, als Frodo sich innerlich schon gegen das Abenteuer entschieden hatte, tauchte Gandalf mit diesem Ring auf. Den Rest der Geschichte kennst du sicher. Gerade in diesem Science Fiction-Film wird die klassische Heldenreise und auch Funktion(en) der einzelnen Archetypen sehr deutlich. Natürlich nur, wenn man vorher schon etwas darüber gehört hat.
Die ganze 4. Phase und auch später noch, kann der Mentor sich austoben und deiner Hauptfigur behilflich sein, wenn sie es am wenigsten erwartet.
Grundsätzlich gilt an dieser Stelle, hier in dieser Phase: Hat sich deine Hauptfigur entschieden, ihre Reise anzutreten, kann sie nie wieder umkehren. Nichts wird danach mehr so sein, wie es einmal war. In „Matrix“ z.B. war es die Entscheidung zwischen rot und blau.
Unmittelbar vor der Entscheidung deiner Hauptfigur, dem Ruf zu folgen, hat der Mentor nun genau das Wissen, welches sie jetzt benötigt, um den nächsten Schritt auf ihrer Reise zu gehen. Er wird sie führen, beschützen oder sie auch beschützen, je nachdem, welche Aufgabe es als nächstes zu erledigen gilt.
Die Oase der Sammlung
Die Stadt der eigenen Kinderzeit, ein Strand mit schönen Erinnerungen oder auch die ewigen Ruhestätten verstorbener Familienmitglieder sind nun die Orte, an die sich deine Hauptfigur zurückziehen kann, um sich zu sammeln und bereit zu machen für das Abenteuer. Als Oase im bildlichen Sinne dienen sie deiner Hauptfigur als Quelle der Weisheit und Besinnung.
Das ist auch notwendig. Denn bereits in der nächsten Phase der Heldenreise wartet bereits das erste Hinderniss. In Form eines weiteren Archetyps, dem Schwellenhüter. In Verbindung mit der nächsten Phase erfährst du, was er eigentlich genau hüten oder auch behüten will.
Ich wünsche dir viel Glück, Erfolg und ganz viel Freude
hier auf meinem Blog und auch in deinem Schreibprozess.
Herzliche Grüße,
Manuela
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