Es gibt diesen einen Moment, den fast jede Frau kennt, die ihre Geschichte schreiben möchte.
Diesmal ist es nicht der Anfang und auch nicht der erste Satz. Es ist Moment, in dem das Schreiben plötzlich still wird.
Auch ich kenne ihn. Es gab einen Tag, an dem ich mein Notizbuch zuklappte und dachte: „Vielleicht schaffe ich das doch nicht.“
Das Leben um mich herum war wieder lauter geworden und es gab wieder vermehrt Tage, an denen ich abends einfach nur müde war. Tage, an denen andere Dinge wichtiger schienen. Das waren dann die Tage, an denen ich mein Manuskript ansah und dachte: „Ich habe den Faden verloren.“ Früher hätte ich das als Scheitern bezeichnet, doch heute sehe ich es anders, denn heute weiß ich:
So wie wir Pausen brauchen, so kennen auch unsere Geschichten Pausen, in denen sie etwas ruhen dürfen.
Damals glaubte ich noch, ich müsste jeden Tag schreiben,
um wirklich dranzubleiben und setzte mich damit unter Druck. Wenn ich einen Tag ausließ, hatte ich das Gefühl, wieder ganz von vorne anfangen zu müssen. Und genau dieser Gedanke machte jede Pause größer, als sie eigentlich war. Bis ich eines Tages etwas bemerkte. Als ich nach einigen Tagen wieder an meinen Schreibtisch zurückkehrte, war meine Geschichte noch da. Sie war nicht beleidigt und sie hatte nicht aufgehört, auf mich zu warten. Sie war einfach da, still, geduldig, so als hätte sie gewusst, dass ich zurückkommen würde.
Das war eine der freundlichsten Erfahrungen meines ganzen Schreibweges. Seitdem denke ich anders über Schreibpausen. Sie sind kein Beweis dafür, dass wir aufgegeben haben, denn sie gehören zum Leben. Und manchmal gehören sie sogar zum Schreiben dazu. Denn während wir nicht schreiben, geschieht oft etwas Unsichtbares.
Unsere Erinnerungen verbinden sich und die Gedanken reifen
Und irgendwann spüren wir plötzlich wieder diese Sehsucht, an den Schreibtisch zurückzukehren. So als würde unsere Geschichte leise anklopfen und vielleicht beginnt genau dort das eigentliche Dranbleiben. Nicht im täglichen Schreiben, aber im Vertrauen darauf, dass wir jederzeit zurückkehren dürfen. Das Leben geht weiter.
Als ich damals einige Monate nicht schrieb, dachte ich sehr häufig an mein Manuskript. Es lag nicht sichtbar auf meinem Schreibtisch, doch mein Blick wanderte immer wieder zu dem Ort, an den ich es verbannt hatte. Es war da, in meinen Gedanken und in meinem Herzen.
Ich befand mich in einer Lebensphase, die viel Kraft brauchte.
Eine neue Beziehung war in mein Leben gekommen. Heute weiß ich, dass ich eigentlich noch gar nicht bereit dafür gewesen war, doch das konnte ich damals noch nicht erkennen. Mein Blick war auf etwas anderes gerichtet, und meine Geschichte trat für eine Weile in den Hintergrund.
Wochen und Monate vergingen. Für mein Manuskript war das eine lange Pause und für mich fühlte sie sich noch länger an. Den Gedanken, dass ich nie wieder schreiben würde hatte ich nie. Aber da war etwas anderes, was leise anklopfte. Ich vermisste meine Geschichte und die Verbindung, die ich zu ihr aufgebaut hatte und wurde traurig. Heute berührt mich diese Erkenntnis noch immer, denn sie zeigt mir: Das Schreiben war längst kein Projekt mehr.
Es war zu einem Teil meines Lebens geworden, erst als es fehlte, bemerkte ich, wie sehr es zu mir gehörte. Und genau das brachte mich zurück. Keine Disziplin, kein fester Plan und kein Druck, endlich fertig werden zu müssen. Die Sehnsucht holte mich zurück und sie war wieder da, die leise Stimme meiner Geschichte. Sie hatte geduldig auf mich gewartet, all die Wochen und Monate. Ohne Vorwurf und ohne Eile.
Und als ich schließlich wieder an meinem Schreibtisch saß, hatte ich nicht das Gefühl, neu anfangen zu müssen. Es fühlte sich eher an wie ein Wiedersehen, als würde eine gute Freundin sagen:
„Da bist du ja wieder.“
Seitdem glaube ich, dass Geschichten uns niemals übelnehmen, wenn das Leben dazwischenkommt. Sie wissen, dass wir manchmal Umwege gehen müssen und warten auf uns, bis wir wieder zurückkehren. Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich heute so gelassen auf Schreibpausen schaue. In meine Gruppen- und Einzelbegleitungen habe ich sie mittlerweile sogar bewusst mit eingebaut. Denn nicht jede Pause bedeutet Abstand und manche Pausen zeigen uns erst, wie wichtig uns etwas geworden ist.
Es gibt einen Gedanken, den ich heute jeder Frau mitgeben möchte, die ihre Geschichte schreiben möchte. Vielleicht hast du eine Pause gemacht und vielleicht sind auch bei dir Wochen vergangen oder Monate. Vielleicht liegt dein Notizbuch seit langer Zeit in einer Schublade und du fragst dich vielleicht, ob sich die Rückkehr überhaupt noch lohnt. Ich glaube: JA. IMMER. Denn Geschichten führen keine Strichliste und zählen auch keine versäumten Tage. Sie fragen nicht, warum du so lange nicht geschrieben hast. Sie freuen sich einfach, wenn du wieder da bist.
Dieser Gedanke hat mich auf meinem eigenen Weg sehr entlastet. Ich musste nicht dort weiterschreiben, wo ich aufgehört hatte. Ich durfte erst einmal wieder ankommen und die Seiten in die Hand nehmen, sie durchblättern und mich erinnern. So konnte ich langsam die Verbindung wieder aufnehmen. Fast so, als würde ich eine gute Freundin nach langer Zeit wieder besuchen.
Man beginnt nicht sofort mit den großen Themen.
Man setzt sich zusammen, trinkt einen Kaffee und merkt nach und nach: Es ist noch alles da.
Genauso empfinde ich das mit dem Schreiben. Die Verbindung zu unserer Geschichte verschwindet nicht. Sie wird manchmal nur leiser. Und wenn wir bereit sind, wieder hinzuhören, ist sie oft schneller zurück, als wir denken.
Deshalb wünsche ich mir, dass Frauen nicht gegen ihre Pausen kämpfen. Mich würde es sehr freuen, wenn sie sie als Teil ihres Weges annehmen. Denn auch in den Zeiten, in denen wir nicht schreiben, leben wir weiter. Wir sammeln Erfahrungen, wir verändern uns und wir wachsen. Und all das findet später seinen Platz in unserer Geschichte.
Vielleicht ist das eigentliche Dranbleiben gar nicht die Anzahl der geschriebenen Seiten. Vielleicht bedeutet Dranbleiben, die Verbindung zur eigenen Geschichte nie ganz loszulassen. Selbst dann nicht, wenn das Leben gerade einen anderen Weg mit uns geht.
Für deine Schreib- und Geschichtenzeit
Falls dein Notizbuch schon länger auf dich wartet, dann schlage es heute einfach einmal auf. Nicht mit dem Ziel, viele Seiten zu schreiben.
Lies nur die letzten Zeilen oder schreib nur einen einzigen Satz oder das heutige Datum. Mehr braucht es manchmal gar nicht, denn jede Rückkehr beginnt mit einem kleinen Wiedersehen.
Wenn du dir wünschst, deine Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren – auch dann nicht, wenn das Leben dazwischenkommt –, begleite ich dich gerne.
In meiner achtwöchigen Einzelbegleitung geht es nicht darum, ohne Unterbrechung zu schreiben.
Es geht darum, die Verbindung zu deiner Geschichte zu stärken. So, dass du jederzeit wieder anknüpfen kannst – in deinem Tempo und mit dem Vertrauen, dass deine Geschichte auf dich wartet.
Denn ich bin überzeugt:
„Jede Geschichte beginnt lange, bevor das erste Wort geschrieben wird.“
Und manchmal wächst sie gerade in den Zeiten, in denen wir glauben, sie würde stillstehen.
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