Als ich begann, meine Geschichte aufzuschreiben, dachte ich, ich würde Erinnerungen sammeln. Ich wollte meine Erlebnisse festhalten, Menschen beschreibe und meine Lebensabschnitte ordnen. Und ich glaubte, am Ende würde ein Manuskript entstehen.
Heute weiß ich: Es ist so viel mehr entstanden.
Natürlich habe ich mit der Zeit viele Seiten geschrieben, doch das Wertvollste ist nie auf dem Papier gelandet, es geschah in mir.
Am Anfang bemerkte ich diese Veränderung kaum, sie war nicht laut und kam auch nicht plötzlich. Sehr leise kam sie auf mich zu, so dass ich sie am Anfang kaum fühlen konnte. Ich schrieb über einen Moment aus meiner Kindheit und ihn mir ein paar Tage später noch einmal durch. Und plötzlich sah ich diese Szene mit anderen Augen. An der Erinnerung hatte sich nichts verändert, dafür aber mein Block auf sie und das hat mich tief berührt. Denn zum ersten Mal verstand ich, dass autobiografisches Schreiben nicht nur bedeutet, Vergangenes festzuhalten. Es bedeutet auch, dem eigenen Leben noch einmal zu begegnen.
Mit dem Wissen von heute, mit mehr Erfahrung und mit mehr Mitgefühl
Früher habe ich viele Situationen einfach hingenommen, die zu meinem Leben gehörten und stellte sie nicht infrage. Erst als ich begann, sie aufzuschreiben, bemerkte ich, wie viele Zusammenhänge ich damals gar nicht sehen konnte.
Beim Schreiben wurde manches klarer. Nicht sofort und auch nicht bei jedem Text, aber immer wieder. Ich entdeckte Fäden, die sich durch mein Leben zogen:
Entscheidungen, die plötzlich einen Sinn ergaben.
Begegnungen, deren Bedeutung ich erst Jahre später verstand.
Und manchmal begegnete ich auch der jüngeren Manuela.
Der Frau, die damals ihr Bestes gegeben hat, mit dem Wissen, das sie damals hatte. Ich begann, ihr freundlicher zu begegnen, weil ich verstand, warum sie so gehandelt hatte. Vielleicht ist genau das eines der größten Geschenke des autobiografischen Schreibens. Es verändert nicht die Vergangenheit, aber manchmal verändert es den Blick, mit dem wir auf sie schauen.
Und dieser neue Blick kann erstaunlich heilsam sein
Lange Zeit dachte ich, autobiografisches Schreiben bedeute vor allem, Erinnerungen festzuhalten. Heute weiß ich, dass viel mehr geschehen kann. Während ich an meiner Geschichte schrieb, begegnete ich immer wieder der jungen Manuela. Dem Mädchen, das sich nach Liebe sehnte, das schwere Worte hörte, obwohl es sich Geborgenheit gewünscht hätte.
Diese Erinnerungen blieben dieselben, ich habe nichts daran verändert. Und doch geschah etwas, was mich sehr ins Staunen brachte. Mit jedem Kapitel veränderte sich mein Blick. Nicht auf die Ereignisse, aber umso mehr dafür der Blick auf mich selbst.
Zum ersten Mal konnte ich die kleine Manuela mit den Augen der Frau ansehen, die ich heute bin. Mit Verständnis, mit Mitgefühl und auch mit Liebe. Und ich begann zu begreifen, dass dieses Kind immer sein Bestes gegeben hatte, dass es nichts falsch gemacht hatte oder falsch war.
Und während ich das schrieb, geschah etwas, was ich nicht ahnen oder wissen konnte.
Ich weinte, nicht aus der Traurigkeit der Ereignisse heraus, es war tatsächlich vor Freude und auch vor Erleichterung. Heute erzähle ich in diesem Thema gerne von einem Befreiungsschlag. Und davon gab es eine ganze Menge auf meiner eigenen Schreibreise. Es war, als würde eine Last leichter werden, die ich viele Jahre getragen hatte, die Vergangenheit verlor mehr und mehr von ihrer Schwere.
Vielleicht liegt genau darin die Kraft des autobiografischen Schreibens. Wir brauchen gar kein anderes Leben erfined. Wir können das eigene Leben mit einem neuen Blick betrachten und mit jedem Satz, den wir schreiben entsteht ein wenig mehr Frieden. Das geschieht nicht von heute auf morgen, aber es macht sich Stück für Stück und Satz für Satz bemerkbar.
Und als ich mein Manuskript schließlich beendet hatte, wusste ich: Ich hatte nicht nur eine Geschichte geschrieben. Ich hatte mich selbst ein Stück weit wiedergefunden.
Wenn ich heute auf mein Manuskript schaue,
sehe ich längst nicht mehr nur die Geschichte meines Lebens. Ich sehe meinen Weg, nicht nur den äußeren, vor allem den inneren. Denn während ich schrieb, veränderte sich etwas. Ich begann, mir selbst anders zu begegnen.
Es gab Situationen, die ich viele Jahre lang nur unter einem einzigen Blickwinkel betrachtet hatte und erst beim Schreiben bemerkte ich, dass es auch andere Perspektiven gab. Es gab nichts schönzureden, das steht außer Frage und der Schmerz wurde auch nicht kleiner, aber ich begann das ganze Bild zu sehen. Ich erkannte, wie viel Kraft mich durch mein Leben getragen hatte, wie oft ich trotz allem weitergegangen war, wie viele Entscheidungen ich getroffen hatte, obwohl ich Angst hatte. Diese Dinge waren immer schon da, ich hatte sie nur nie bewusst wahrgenommen. Vielleicht geht es genau darum.
Autobiografisches Schreiben verändert nicht unser Leben.
- Es macht sichtbar, was längst darin verborgen liegt.
- Es lädt uns ein, Zusammenhänge zu erkennen.
- Uns selbst mit neuen Augen anzusehen.
- Und vielleicht sogar Frieden mit manchen Kapiteln zu schließen.
Wir heute anders darauf schauen können, das war für mich eine der größten Überraschungen. Ich begann zu schreiben, weil ich meine Geschichte erzählen wollte. Am Ende hatte ich nicht nur viele Seiten gefüllt und mich selbst ein Stück besser kennengelernt. Und ich wage zu behaupten, dass dies die eigentliche Kraft des Schreibens ist, die Kraft des eigenen Weges anzusehen und in sich zu spüren. Zu erkennen, welcher Mensch sich unterwegs auf dem eigenen Weg entwickelt hat.
Für deine Schreib- und Geschichtenzeit:
Vielleicht gibt es eine Erinnerung, auf die du heute noch genauso schaust wie vor zehn oder zwanzig Jahren.
Ohne:
- sie zu bewerten.
- sie zu verändern.
Nur für einen Moment mit den Augen der Frau, die du heute bist.
Was fällt dir auf?
Was würdest du der jüngeren Version von dir heute sagen?
Vielleicht ist genau diese Antwort der Beginn eines neuen Kapitels.
Wenn du spürst, dass du deine Geschichte nicht nur aufschreiben, sondern ihr mit mehr Verständnis und Mitgefühl begegnen möchtest, begleite ich dich gerne.
In meiner achtwöchigen Einzelbegleitung entsteht ein geschützter Raum, in dem Schreiben geschehen darf, ohne Druck und ohne Erwartungen. Ein Raum, in dem Erinnerungen wachsen dürfen, Zusammenhänge sichtbar werden und du deiner eigenen Geschichte in deinem Tempo begegnest.
Denn ich glaube von Herzen:
Jede Geschichte beginnt lange, bevor das erste Wort geschrieben wird.
Und manchmal schenkt sie uns etwas, womit wir am Anfang gar nicht gerechnet haben:
Einen liebevolleren Blick auf unser eigenes Leben.
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