Irgendwann schreibe ich meine Geschichte auf

Es gibt Sätze, die begleiten uns viele Jahre. Einige von ihnen sagen wir laut, manche leise und wieder andere besonders oft, weil wir sie selbst glauben.
Für mich war einer dieser Sätze: „Nicht heute, aber irgendwann.

Dieses „Irgendwann“

 

fühlte sich damals für mich vernünftig & logisch an. Schließlich war mein Leben gut gefüllt. Ich arbeitete Vollzeit und der Alltag hatte seinen Rhythmus. Und wie so oft schien es immer etwas Wichtigeres zu geben als den Wunsch zu schreiben.

Beständig begleitete er  mich über viele Jahre und immer wieder stellte ich mir vor, wie es wohl wäre, meine Geschichte endlich aufzuschreiben. Aber genauso oft schob ich diesen Gedanken auch wieder zur Seite und sagte mir, dass jetzt einfach nicht der richtige Zeitpunkt sei.

Heute weiß ich:

Es war nie die Zeit, die mich aufgehalten hat, es war etwas komplizierter. Damals lebte ich in einer Beziehung, in der mein Wunsch zu schreiben nicht den Platz bekam, den er für mich hatte. Wenn ich mich an meinen Schreibtisch setzte, entstand nicht selten Unverständnis. Für meinen damaligen Partner war die Vorstellung, ein Buch zu schreiben, eher eine Utopie. Für mich war sie ein Herzenswunsch.

Ein Wunsch, der immer wieder gegen den Alltag, gegen Diskussionen und irgendwann auch gegen meine eigenen Zweifel antreten musste. Mit der Zeit begann ich unbewusst, meine Geschichte kleiner zu machen verschob sie auf den nächsten Tag, die nächste Woche, auf nach dem Urlaub. Irgendwann wurde dann wirklich ein Irgendwann daraus.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl, dass jemand anders deinen Herzenswunsch infrage stellt. Oder das Leben um dich herum so laut wird, dass deine eigene Stimme immer leiser erscheint. Und irgendwann glaubst du selbst, dass deine Geschichte noch warten kann. Rückblickend war das wohl das Traurigste für mich. Ich hatte nicht geschrieben und gewöhnte mich langsam daran, meine Geschichte und eigentlich auch mich hinten anzustellen. Bis sich mein Leben veränderte.

Nach der Trennung entstand etwas, das ich lange nicht gekannt hatte. Ruhe, und davon genug, um mich wieder selbst zu fragen:

„Was wünsche ich mir eigentlich?“

Die Antwort war dieselbe wie viele Jahre zuvor. Ich wollte schreiben. Und dieses mal schob ich noch ein „JETZT“ dazwischen.

Kurz darauf meldete ich mich zu meinem ersten Kurs für Kreatives Schreiben an der Volkshochschule an. Von außen betrachtet war das nur eine Anmeldung, doch für mich war es so viel mehr. Es war das erste Mal, dass ich meiner Geschichte einen festen Platz gab. Und manchmal beginnt genau dort alles. Es gibt einen Gedanken, der mich seit dieser Zeit immer wieder begleitet:

Wir verschieben unsere Geschichte selten, weil sie uns egal ist.

Interessanterweise verschieben wir sie, weil sie uns wichtig ist.
Je wichtiger uns etwas ist, desto größer wird manchmal die Angst, es nicht gut genug zu machen.

Vielleicht kennst du das:
Du möchtest endlich beginnen und kaufst dir ein schönes Notizbuch. Du denkst über den ersten Satz nach und nimmst dir vor, am Wochenende zu schreiben. Und dann kommt das Leben dazwischen. Oft sind es die ganz normalen Dinge wie zum Beispiel der Einkauf, die Arbeit, ein Anruf, die Wäsche. Und dann der Gedanke: „Heute lohnt es sich nicht mehr.“ Irgendwann schließt du das Notizbuch wieder und dein Wunsch muss wieder warten.

Heute begegnen mir viele Frauen, die genau das erzählen. Sie beginnen unser Gespräch mit einem Satz wie: „Ich möchte schon so lange schreiben.“ Manche sagen fünf Jahre, manche zehn und wieder andere sogar noch länger. Und fast immer folgt danach derselbe Satz: „Aber irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt.“

Ich glaube ihnen, ich habe selbst lange so gedacht. Heute frage ich dann ganz behutsam:

„Was glaubst du, was passiert, wenn du anfängst zu schreiben?“

Diese Frage überrascht viele, denn plötzlich geht es nicht mehr um Zeit, sondern um das, was unter der Oberfläche liegt. Vielleicht tauchen Erinnerungen auf. Vielleicht werden Gefühle lebendig, die lange keinen Platz hatten. Oder es  verändert sich der Blick auf das eigene Leben. Und vielleicht entsteht etwas, das wir lange vermieden haben: Die Begegnung mit uns selbst.

Ich glaube, genau deshalb verschieben wir unsere Geschichte so oft. Wir sind nicht zu bequem oder nicht diszipliniert genug, aber wir haben eine leise Ahnung, dass Schreiben mehr ist als Wörter auf dem Papier. Und das ist es aus meiner Sicht auch. Es ist eine Einladung, das eigene Leben noch einmal mit offenen Augen anzusehen.

Und das braucht Mut. Sehr viel mehr Mut, als einfach nur einen ersten Satz zu schreiben. Deshalb beginne ich meine Begleitungen auch nicht mit der Frage: „Wie viele Seiten möchtest du schreiben?“ Mich interessiert zuerst etwas ganz anderes.

Welche Geschichte klopft seit Jahren leise bei dir an?

Denn jede Frau bringt ihre eigene Antwort mit. Die eine möchte Erinnerungen für ihre Kinder festhalten,  die andere verstehen, warum bestimmte Lebensabschnitte sie bis heute begleiten. Und wieder eine andere möchte einfach verhindern, dass ihre Geschichte irgendwann verloren geht.
Die Beweggründe sind unterschiedlich, doch der Wunsch dahinter ist oft derselbe, endlich beginnen. Nicht mehr warten auf den richtigen Moment und auch nicht auf irgendwann.

Für mich begann dieser Moment nicht mit einem perfekten Schreibplan. Er begann mit der Entscheidung, meiner Geschichte zu glauben und mir selbst zu glauben, dass sie wichtig für mich ist, sie zu schreiben. Dass sie einen Platz verdient und dass sie nicht länger auf ein „Irgendwann“ warten muss.

Vielleicht ist das die größte Veränderung, die autobiografisches Schreiben mit sich bringt.

Noch bevor das erste Kapitel entsteht, verändert sich etwas in uns. Wir hören auf, unsere Geschichte als etwas zu betrachten, das wir irgendwann einmal erzählen könnten. Wir beginnen, sie als einen Teil unseres Lebens ernst zu nehmen. Und genau dort beginnt für mich der eigentliche Schreibprozess, in dem Moment, in dem wir uns selbst erlauben zu sagen: „Meine Geschichte darf Raum bekommen.“

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, empfinde ich keine Traurigkeit mehr darüber, dass ich so lange gewartet habe, eher Mitgefühl. Mit der Frau, die damals glaubte, sie müsse erst alles andere erledigen, bevor sie ihrer eigenen Geschichte Aufmerksamkeit schenken durfte.

Vielleicht ging es dir auch schon einmal so. Vielleicht trägst du seit Jahren den Wunsch in dir, deine Geschichte aufzuschreiben. Und vielleicht sagst du dir immer wieder:

  • „Wenn ich mehr Zeit habe“,
  • „Später“,
  • „Wenn es ruhiger geworden ist“ oder „
  • „Wenn ich weiß, wie ich anfangen soll“.

Ich kenne all diese Gedanken und deshalb weiß ich heute auch:

Der perfekte Zeitpunkt ist kein Datum im Kalender, er ist eine Entscheidung.

Es kommt nicht darauf an, sofort ein ganzes Buch zu schreiben, aber deiner Geschichte zuhören, wenn sie sich leise bemerkbar macht.

Deine Geschichte und auch die der anderen Frauen sind geduldig und drängen dich nicht. Und sie warten manchmal über viele Jahre, weil sie darauf vertrauen, dass wir irgendwann bereit sind. Vielleicht ist heute noch nicht dein Tag und vielleicht brauchst du noch Zeit. Auch das gehört zu deinem Weg, denn Schreiben lässt sich nicht erzwingen. Es geschieht dann, wenn wir innerlich bereit sind. Und manchmal beginnt diese Bereitschaft mit einer einzigen Frage:

„Welche Geschichte in meinem Leben wartet schon viel zu lange darauf, erzählt zu werden?“

Vielleicht kennst du die Antwort sofort oder sie zeigt sie sich erst nach und nach. Beides ist vollkommen in Ordnung, deine Geschichte hat zum Glück kein Verfallsdatum. Aber sie verdient einen Platz, nämlich dann, wenn du bereit bist, ihr diesen Platz zu schenken.

Für deine Schreib- und Geschichtenzeit:

Nimm dir in den nächsten Tagen zehn Minuten Zeit. Dieses mal nicht um zu schreiben. Du darfst dich erinnern.
Frage dich:  Seit wann trage ich eigentlich den Wunsch in mir, meine Geschichte aufzuschreiben?

Versuche nicht, eine perfekte Antwort zu finden. Schreibe einfach das erste Jahr auf, an das du dich erinnerst. Oder den ersten Moment. Oder den ersten Gedanken. Vielleicht beginnt deine Geschichte genau dort.

Wenn du spürst, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist und du diesen Weg nicht allein gehen möchtest, begleite ich dich gerne.

In meiner achtwöchigen Einzelbegleitung entsteht ein geschützter Raum, in dem deine Geschichte ihren Platz finden darf – ohne Zeitdruck, ohne Erwartungen und in deinem ganz eigenen Tempo.

 

Denn ich glaube von Herzen:

Jede Geschichte beginnt lange, bevor das erste Wort geschrieben wird.

Und manchmal beginnt sie mit der Entscheidung, nicht länger auf irgendwann zu warten.

Was ich dir noch anbiete:

👉 Meine Flaschenpost für wöchentliche Inspirationen und Ankündigungen neuer Blogartikel

👉 Ein erstes Gespräch zum Kennenlernen mit mir
damit wir gemeinsam herausfinden können, wie es für dich und mich gemeinsam weitergehen kann.

👉 Schreibe mir eine Email an: kontakt@manuela-lesniok.com

👉 Vernetze dich mit mir auf: LinkedIn und Telegram

Ähnliche Beiträge