Ich dachte lange, meine Geschichte sei nichts Besonderes

Wenn mich früher jemand gefragt hätte, warum ich meine Geschichte aufschreiben möchte, hätte ich wahrscheinlich mit den Schultern gezuckt. Denn ehrlich gesagt wusste ich damals nicht, ob sie überhaupt erzählenswert ist.

Ich dachte oft: „Andere haben viel mehr erlebt.“

Es gibt Menschen mit außergewöhnlichen Lebensgeschichten. Menschen, die Bücher schreiben, weil sie etwas Großes überstanden haben oder deren Leben schon von außen beeindruckend wirkt. Und dann war da ich mit meinem ganz normalen Leben. Lange Zeit glaubte ich, genau das sei der Grund, warum meine Geschichte warten könne, sie erschien mir nicht wichtig genug. Weder interessant genug noch außergewöhnlich.

Heute weiß ich:
dass ich damit nicht allein war. Viele Frauen, die zu mir kommen, beginnen unser erstes Gespräch mit einem Satz wie:

„Eigentlich habe ich gar nichts Besonderes erlebt.“

Und jedes Mal höre ich aufmerksam zu, auf das, was sie sagen und auch auf das, was zwischen ihren Worten steht. Denn oft folgen dann Sätze wie:

„Meine Kindheit war schwierig“ oder

„Es gab Dinge, über die ich noch nie gesprochen habe“ oder

„Ich möchte einfach nicht, dass all das verloren geht.“

In diesem Moment wird mir immer wieder bewusst: Es geht gar nicht darum, ob eine Geschichte spektakulär ist, es geht darum, dass sie gelebt wurde. Kein anderes Leben hätte genauso verlaufen können. Keine andere Frau hätte dieselben Begegnungen gehabt, dieselben Entscheidungen getroffen und dieselben Fragen gestellt. Genau das macht jede Lebensgeschichte einzigartig.

Diese Einmaligkeit, die ihr keiner nehmen kann. Ich glaube, wir vergleichen unsere Geschichten viel zu oft mit denen anderer Menschen. Dabei vergleichen wir etwas, das sich gar nicht vergleichen lässt. Ein Leben ist kein Wettbewerb, auch wenn es manchmal so scheint. Das Leben an sich muss niemanden beeindrucken und darf einfach wahr und lebendig sein.

Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf mein eigenes Schreiben verändert. Ich hörte auf zu fragen: „Ist meine Geschichte wichtig genug?“ und begann zu fragen: „Was möchte meine Geschichte erzählen?“ Das war ein kleiner aber feiner Unterschied und er hat alles verändert. Je länger ich Frauen auf ihrem Weg begleite, desto mehr begegnet mir ein Gedanke. Fast jede von ihnen glaubt, ihre Geschichte sei nicht besonders genug. Manchmal sagen sie es ganz direkt. Manchmal versteckt es sich hinter Sätzen wie diesen:

„Ich weiß gar nicht, ob sich das überhaupt lohnt.“

„Wer möchte das schon lesen?“

„Es gibt doch Menschen, die viel Schlimmeres erlebt haben.“

Jedes Mal spüre ich, wie sehr wir gelernt haben, unser eigenes Leben mit dem anderer zu vergleichen. Als müsste eine Geschichte erst außergewöhnlich sein, bevor sie erzählt werden darf. Ich glaube das nicht, denn wenn wir beginnen, Lebensgeschichten miteinander zu vergleichen, verlieren wir den Blick für das, worum es eigentlich geht. Um gelebtes Leben.

Jeder Mensch trägt Erinnerungen in sich, die nur ihm gehören.

Eine Kindheit, Freundschaften, Abschiede, Neuanfänge. Menschen, die Spuren hinterlassen haben, Entscheidungen, die ein Leben verändert haben. Vielleicht wirkt vieles davon auf den ersten Blick unspektakulär. Doch gerade darin liegt oft die größte Kraft. Denn was uns miteinabder verbindet ist nicht das Außergewöhnliche, es das Menschliche.

Ich habe beim Schreiben meiner eigenen Geschichte etwas Erstaunliches erlebt. Je ehrlicher ich wurde, desto weniger dachte ich darüber nach, ob meine Geschichte wichtig genug ist. Stattdessen begann ich zu schreiben, weil sie meine Geschichte war. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Und plötzlich entstand eine große Freiheit.

Ich musste niemanden mehr beeindrucken oder etwas beweisen. Schreibender Weise erzählte ich alles, was mir in den Sinn kam und was mir wichtig für die Geschichte erschien. Vielleicht war genau das der Moment, in dem mein autobiografisches Schreiben leichter wurde, als ich aufgehört habe, meine Geschichte und damit mein Leben zu bewerten.

Wir beginnen, sie mit ihre hellen und dunklen Seiten, mit ihren Umwegen und mit ihren Widersprüchen anzunehmen. Denn all das gehört zu einem gelebten Leben. Und genau deshalb verdient es Aufmerksamkeit. Andere Menschen und auch deine zukünftigen Leser interessiert das in dieser Phase überhaupt noch nicht. Sie sind schlichtweg nicht daran beteiligt, denn es ist dein Leben. Vielleicht ist das der größte Perspektivwechsel, den autobiografisches Schreiben schenken kann.

Wir fragen nicht länger:

„Ist meine Geschichte wichtig genug?“

Wir beginnen zu fragen:

„Wie möchte ich meiner Geschichte begegnen?“

Allein diese Frage verändert schon etwas, sie nimmt den Druck und öffnet die Tür für etwas viel Wertvolleres. Für Wertschätzung des eigenen gelebten Lebens. Heute frage ich Frauen nicht mehr, ob ihre Geschichte wichtig genug ist. Es ist eine andere Frage, deren Reaktion und Antwort mich viel mehr interessiert.

Was würde verloren gehen, wenn niemand deine Geschichte erzählt?

Diese Frage verändert oft die Stille im Raum, denn plötzlich geht es nicht mehr um:

  • Literatur,
  • Schreibstil,
  • Rechtschreibung und Grammatik oder
  • sonst irgendwas Fachliches

Es geht um das Leben, das nur du gelebt hast, um die Erfahrungen, die dich geprägt haben, die Menschen, die dich begleitet haben, die Entscheidungen, die dich zu der Frau gemacht haben, die du heute bist. All das existiert nur ein einziges Mal.

Vielleicht wird deine Geschichte niemals in einer Buchhandlung liegen. Vielleicht wird sie „nur“ von deinen Kindern gelesen oder von deinen Enkeln. Vielleicht liest sie nur eine einzige Freundin oder vielleicht liest sie sogar nur ein Mensch, den du noch nicht einmal kennst. Und weißt du was? Das genügt. Denn der Wert einer Geschichte bemisst sich nicht an der Zahl ihrer Leserinnen und Leser.

Viel entscheidender ist die Echtheit, mit der sie erzählt wird

Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der wir uns oft fragen:

  • Reicht das?
  • Ist mein Leben spannend genug?
  • Bin ich erfolgreich genug?
  • Habe ich genug erlebt?

Dabei vergessen wir eine Sache:
Ein Leben muss nicht außergewöhnlich sein, um berührend zu sein, es muss nur ehrlich erzählt werden. Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich autobiografische Geschichten seit so vielen Jahren begleiten.

Sie zeigen keine perfekten Menschen, sie zeigen echte Menschen mit Zweifeln, mit Freude, mit Verlusten und mit Hoffnung. Und genau darin erkennen wir uns wieder, durch unsere unterschiedlich gelebten Leben.

Deshalb wünsche ich mir für jede Frau, die ihre Geschichte schreiben möchte, dass sie irgendwann aufhört zu fragen: „Bin ich wichtig genug?“  Und stattdessen beginnt zu sagen: „Dieses Leben ist meines.“ Nicht besser, außergewöhnlicher, einfach meines. Punkt.

Und genau deshalb verdient es Aufmerksamkeit. Vielleicht beginnt autobiografisches Schreiben genau dort, mit der Entscheidung, das eigene Leben ernst zu nehmen. Ob daraus ein Buch entstehen wird oder nicht, entscheidest du ganz alleine, wenn ihr, du und deine Geschichte soweit seid.

Für deine Schreib- und Geschichtenzeit:

Heute möchte ich dir eine Frage mitgeben, eine, die du nicht sofort beantworten musst. Vielleicht begleitet sie dich einfach durch die nächsten Tage.

Welche Erinnerung aus deinem Leben sollte nicht verloren gehen?

  • Weil sie zu dir gehört.
  • Vielleicht schreibst du heute nur ihren Titel auf.
  • Mehr braucht es gar nicht.

Denn manchmal beginnt eine Geschichte mit dem Mut, ihr einen Namen zu geben.

Wenn du dir einen geschützten Raum wünschst, in dem deine Geschichte nicht bewertet, sondern willkommen geheißen wird, begleite ich dich gerne. In meiner achtwöchigen Einzelbegleitung geht es nicht darum, ein außergewöhnliches Leben zu erzählen. Es geht darum, deinem eigenen Leben mit Offenheit, Respekt und Neugier zu begegnen.

 

Denn ich glaube von Herzen:

Jede Geschichte beginnt lange, bevor das erste Wort geschrieben wird.

Und jede Geschichte verdient es, erzählt zu werden – nicht weil sie spektakulär ist, sondern weil sie gelebt wurde.

Was ich dir auch anbiete:

👉 Meine Flaschenpost für wöchentliche Inspirationen und Ankündigungen neuer Blogartikel

👉 Ein erstes Gespräch zum Kennenlernen
damit wir gemeinsam herausfinden können, wie es für dich und mich gemeinsam weitergehen kann.

👉 Schreibe mir eine Email an: kontakt@manuela-lesniok.com

👉 Vernetze dich mit mir auf: LinkedIn und Telegram

Ähnliche Beiträge